"Die Musik ist das Rückgrat einer AV-Schau."

audio und vision

Das Verhältnis von Bild und Ton

Am 6. Juli 2020 starb Ennio Morricone mit 91 Jahren. Der Name mag vielen unbekannt sein, seine Werke sind es nicht. Morricone hat wie kaum jemand zuvor die Musik vom Nebenschauplatz der Filmindustrie ins Rampenlicht geführt. Seine Kompositionen ergänzten nicht den Fluss der Bilder, sie umschlangen ihn förmlich und dirigierten ihn. Neben voluminösen Klangbildern ist vor allem die kurze Melodie unvergessen, die Charles Bronson unter der Regie von Sergio Leone auf einer Mund­harmonika spielte und die zu einem Meilenstein der Filmmusik wurde.

 

Der „Soundtrack“ ist heute nicht nur „Musik­untermalung“, er ist die „Seele eines Films“, wie Quentin Tarantino es ausdrückte. Oder wie eine stampfende Lokomotive, die den Zuschauer nicht mehr davon­kommen lässt. Erst die intensive Verschmelzung von Bild und Ton schafft große Leinwandgeschichten als berauschende Erlebnisses für Auge und Ohr. Das gilt im Hollywood-Business genauso wie für AV-Kurzschauen oder abendfüllende Multivisions-Vorträge.

 


Das Bild

Als Fotograf unterliegt man schnell der irrigen Annahme, die Bilder seien das wesentliche Element einer AV-Produktion und die Musik eine kleine Zugabe, die möglichst nichts kosten darf. Natürlich werden Fotos durch ihre konkreten Inhalte bewusster wahrge­nom­men. Der Zuschauer erkennt Details und bewertet die Bilder. Der Zuschauer kann aber auch gelang­weilt die Augen schließen. Die einzelnen Motive sind oft nur wenige Sekunden sichtbar und werden mit Aus­nahme der sehr guten und sehr schlechten Bilder - inklusive der dritten - wohl bald vergessen.

 

Der Ton

Der Ton dagegen schafft Atmos­phäre und öffnet das Unterbewusstsein für Emotionen. Er lenkt die Zuschauer, er hält sie gefangen und verhindert das gedankliche Abschweifen. Die Musik wirkt langsam und beständig und bildet als Rückgrat auch die Struktur der AV-Schau. Der richtige Mix aus Musik und Geräuschen haucht einer stummen Bilderfolge Faszination und Leben ein. Im Gegensatz zu Bildern lassen sich die akustischen Reize nicht ausblenden. Das Ohr kann sie nicht ignorieren und jeder Zuhörer ist ihnen im dunklen Vorführraum lange und schutzlos ausgeliefert. Wohl dem, der das zu nutzen weiß!

 


Welche Musikstücke sollte man NICHT nehmen?

  • Lieblingslieder, denn die sind nur Ihre eigenen Lieblinge!
  • Aktuelle Stücke, denn die sind in Kürze abgedroschen!
  • Bekannte Stücke, denn die sind schon mit Emotionen belegt!
  • Gesangsstücke, denn die liefern oft absurde Aussagen!
  • Neutrale Musik, denn die klingt wie liebloser Abgesang!
Walter Schwab Fotografie Mönche Bodnath Musik

Mönche in Bodnath. Mit einem relativ einfachen kleinen Digitalrecorder lassen sich O-Töne wie Livemusik und Geräusche aufnehmen und in die Show integrieren. Ich nutze seit Jahren den TASCAM DR-07.


Über die Bedeutung der Musik in einer AV-Schau habe ich folgenden Artikel für das AV-Dialog Magazin (Heft 3/2020) geschrieben, der hier als PDF zum Download bereitsteht:

Die Crux mit den Musikrechten

 

Für einen Fotografen ist das weite Feld der BILD-Rechte mit all seinen Facetten schon nicht einfach. Geht es um MUSIK-Rechte, ist er naturgemäß völlig überfordert. Der AV-Mensch spielt aber mit beiden Medien und kombiniert Bilder mit fremder Musik. Um kein böses Erwachen zu erleben, ist eine Beschäf­tigung mit den komplexen Musikrechten mehr als empfehlenswert.  

 

Meine Erfahrungen bei der Suche nach Musik für eine ganz legale Verwendung in einer AV-Schau finden Sie im folgenden Artikel für das AV-Dialog Magazin (Heft 4/2020):