Fotografie ist bewusstes Sehen und visuelles Gestalten

Die Fotografie ist ein allgegenwärtiges Medium, das weltweit über 200 Millionen Bilder pro Stunde (!) produziert. Das ergibt die unvorstellbare Menge von 2 Billionen Fotos in 12 Monaten. Jedes mal verwandelt eine Kamera oder ein Handy einen Moment der dreidimensionalen und bewegten Welt in ein zweidimensionales Stillleben. Was mal besser, mal schlechter gelingt.

Gute Fotos

Technisch ist Fotografieren extrem einfach geworden, aber die Frage, welche Bilder denn nun »gute Bilder« sind, und welche Regeln es dafür gibt, bleibt irgendwie unbeantwortet.

 

Walter Schwab Fotografie

»Es gibt keine Regeln für gute Fotos, es gibt einfach gute Fotos« sagte zum Beispiel Ansel Adams.

 

Elliott Erwitt will sich ebenfalls nicht damit beschäftigen: »Bilder sollte man anschauen - nicht darüber reden.«

 

Während Henri Cartier-Bresson eine einfache und pragmatische Antwort bereithielt: »Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut.«


Bildinhalt und Aussage

»Auf den meisten Bildern ist zuviel drauf« ist ein wesentlicher Merksatz auf dem Weg zu besseren Fotos! Er stammt von Andreas Feininger (Deutschland / USA, 1906 - 1999), der nicht nur ein wichtiger Fotograf mit einer sehr klaren Bildsprache war, sondern auch Autor von zahlreichen Büchern und Artikeln über die Fotografie. 

 

Feininger sah in der Fotografie die universelle Sprache der Menschheit. Die technische Ausführung sollte stimmen, so wie Grammatik und Rechtschreibung in der Literatur, aber ein Bild ohne klare Aussage war für ihn bedeutungslos und nur »visuelles Geschwätz«.

 

Was eine „klare Aussage“ ist, bleibt allerdings offen. Aber jeder Fotograf sollte wissen, warum er dieses oder jenes Bild macht. Soll es provozieren und auf etwas hinweisen, soll es den Betrachter in eine unbekannte und faszinierende Welt entführen, etwas neutral dokumentieren oder werbewirksam positv darstellen, ein ästhetisches Seherlebnis sein oder – wie die meisten Bilder – „nur“ ein persönliches Andenken? Welche Idee auch immer dahintersteht, wenn sie bewusst und handwerklich gut umgesetzt wird, war der Druck auf den Auslöser gerechtfertigt.

 


Zur »Objektivität« der Fotografie

Die Beziehungen zwischen den verschiedenen Bild-Objekten werden durch die Perspektive bestimmt, also vom ganz bewusst ausgewählten Standort des Fotografen. Mit diesem Blickwinkel wiederum fotografiert er in einem bestimmten Augenblick einen bestimmten Ausschnitt des Geschehens. Dabei gehen viele Zusammenhänge und Aspekte verloren, und das Bild wird zur neuen Wirklichkeit. Es ersetzt die  Realität und erzählt fortan seine eigene Geschichte.