Ein paar handwerkliche Tips

Der Hintergrund

Obwohl er das Bild ganz wesentlich mitprägt, wird der Hintergrund viel zu oft vernachlässigt.

 



Formatfüllend fotografieren?

Für die Diaprojektion musste formatfüllend fotografiert werden.

Heute wird in der Regel immer noch im 3:2 Format aufgenommen, aber später in 16:9 projiziert. Oder ganz andere Ausschnitte und Seitenverhältnisse kommen im Print zum Einsatz.

Also Raum um das Motiv lassen und den endgültigen Ausschnitt am Computer festlegen.

 

Das Beispiel zeigt das Potenzial hochauflösender Kameras und Objektive, später kleine Ausschnitte zu wählen (rechts) bei immer noch genügend Auflösung. Aufnahme mit einer NIKON D800 (36 MPx) und Objektiv ZEISS Otus 1.4/55 mm.



Belichtungskontrolle mit dem Histogramm

Die Kurve des Histogramms zeigt die Anzahl der Pixel pro Helligkeitswert.
Ein tolles Werkzeug mit vielen Möglichkeiten, die Belichtung zu kontrollieren (zB wenn in sehr heller Umgebung die Beurteilung am Kameradisplay schwierig ist) und bei der späteren Verarbeitung gezielt zu beeinflussen.

 

Ganz links ist ist der Anteil der schwarzen Bildpunkte zu sehen (Helligkeit = 0), am rechten Rand der Anteil der weißen Bildpunkte (Helligkeitswert = 255). Die Verteilungskurve sollte nicht wesentlich am linken Rand, aber vor allem nicht am rechten Rand beschnitten werden. Diese Bereiche sind im Bild nur noch einförmig schwarz oder weiß und ohne Details.

 

Die Kurve gibt es auch getrennt für die drei Farben Rot-Grün-Blau.

Walter Schwab Fotografie

Das Histogramm zeigt sehr viele schwarze Bildelemente an, in denen keine Zeichnung mehr vorhanden ist. Das ist für dieses Bild so gewollt und gut.

 

 

Walter Schwab Fotografie

Sehr helles Mövenbild, aber keine Stelle ist wirklich ausgefressen. Die Kurve geht vor dem rechten Anschlag auf Null.

 

 

Walter Schwab Histogramm

Das Wort-Bild besteht nur aus drei Graustufen. Genau das zeigt das Histogramm.

 


ETTR = Exposure to the right

Die Histogrammkurve sollte tendenziell mehr im rechten als im linken Bereich angesiedelt werden, dort ist das Rauschverhalten besser.

Sie MUSS aber am rechten Rand wirklich enden!  Ansonsten gibt es überbelichtete und damit ausgefressene Stellen.


Raw Dateiformat

Die Raw Dateien enthalten im Prinzip die unbearbeiteten Informationen des Sensors und erlauben intensive Nachbearbeitungen und Änderungen vor allem an Helligkeit und Farbe. Fotografiert man hingegen im JPG Format, wird aus den Sensordaten das JPG-Bild mit den Kameraeinstellungen erstellt, dann werden alle »überflüssigen« Informationen gelöscht, das Bild nochmals komprimiert (mit einstellbarem Informationsverlust) und abgespeichert.

Raw dokumentiert feinste Helligkeitsunterschiede

Gegenüber einem JPG mit 256 Helligkeitsstufen (8 Bit) pro Farbkanal werden bei Raw Daten mit 14 Bit Farbtiefe 16.384 Stufen (2 hoch 14 = 16.382) pro Farbkanal gespeichert.

 

Vor allem ein späteres Aufspreizen (Aufhellen) in den dunklen Bildbereichen fördert erstaunliche Details zutage und  führt nicht gleich zu sichtbaren Helligkeitssprüngen. An der Grenze zur Überbelichtung werden Details sichtbar, die bei der groben 256-er Aufteilung bereits rein weiß wären.

 

Änderungen in den Farben oder ein falscher Weißabgleich können sehr gut vorgenommen bzw. korrigiert werden.

 

Walter Schwab JPG vs RAW

Symbolisch: In den Raw Daten (oben) sind gegenüber den JPG Daten (unten) deutlich feinere Helligkeitsabstufungen vorhanden.

Das Speichern im Raw Format ändert aber nichts daran, dass bei deutlichen Fehlbelichtungen die überbelichtete Details in der Sättigung verschwinden und unterbelichtete Partien im Rauschen untergehen. Nachträglich läßt sich die eingestellte Verstärkung des Sensors, das heißt die Empfindlichkeit (ISO-Einstellung), nicht mehr ändern.

 

Raw gibt Kontrolle über die Farben

Alle Farbinformationen werden aufgezeichnet, Änderungen am Weißabgleich sind in der ganzen Bandbreite möglich. Der an der Kamera eingestellt Weißabgleich gilt nur für das Vorschaubild und das kameraeigene JPG, den Raw Daten ist die Einstellung egal.

 

Walter Schwab Fotografie RAW Vorteile

Mit Raw Daten keinProblem, aus dem unterbelichteten Bild mit falschem Weißabgleich (links) die richtigen Farben wieder herzustellen. Gemälde von Oswaldo Guayasamin, Capilla del Hombre, Quito.


Raw ist unveränderlich und glaubwürdig

Eine Raw Datei läßt sich nicht bearbeiten, sie bleibt immer unveränderlich in der Originalversion erhalten. Bei der Verarbeitung werden zwar Anpassungen jeglicher Art vorgenommen, aber das Ergebnis als neue Datei (TIF, JPG, ...) gespeichert.

 

Einige Wettbewerbe akzeptieren daher nur noch Einreichungen mit vorliegenden Raw Daten. Bekanntestes Beispiel ist der World Press Photo Award, bei dem 2015 über 20 % der eingesandten Fotos wegen unerlaubten Bildmanipulationen disqualifiziert wurden. 

Einem JPG-Bild glaubt man nicht mehr!

 

Die Nachteile von RAW Daten

  • Raw Dateien sind groß und verlangen viel Speicherplatz und Rechnerkapazität.
  • Durch die Speicherzeiten sind sehr schnelle Serien-Aufnahmen oft nur eingeschränkt möglich.
  • Raw Dateien werden von vielen Programmen nicht gelesen. Sie müssen mit einem Raw-Converter geöffnet und z.B. als JPG gespeichert werden.
  • Raw Dateien sind untereinander nicht kompatibel, es gibt zahlreiche Raw-Versionen der Kamerahersteller, die sich auch bei neuen Kameramodellen immer wieder ändern.
  • Die Bilder der Raw Dateien sollten bearbeitet werden, sonst sehen bei einigen Motiven die automatischen Kamera-JPGs besser aus.